Am Finanzmarkt bedeutet dieser Vorgang oftmals ein einschneidendes Ereignis, sowohl mit Ausschlag in die eine als auch in die andere Richtung. Börsen wie Anleger jonglieren mit Minus- und Guthabenzinsen, je nachdem, wie sich der Zinsmarkt entwickelt.
Eine Aktion der Düsseldorfer Börse mit ihren Maklern und Kommunikatoren, die im Jahr 2015 das Wort Zinswende zum Börsen-Unwort des Jahres 2015 wählten, zeigt, welchen Einfluss die Maßnahme auf den Wirtschaftshandel ausüben kann. Im Artikel gehen wir näher auf den Begriff und die Zusammenhänge mit dem Finanzmarkt ein.
Eine Zinswende wird von den Zentralnotenbanken gesteuert. In Europa ist dafür die EZB (Europäische Zentralbank) zuständig, in den USA ist es beispielsweise die Federal Reserve (FED). Zentralbanken haben drei Möglichkeiten, das Zinsniveau zu beeinflussen:
Anfang Juli 2022 lag der Leitzins der EZB bei null Prozent. Am 21.07.2022 entschied der Rat der EZB, die Zinsen aufgrund der aktuell hohen Inflation um 0,5 Prozentpunkte zu erhöhen. Der Einlagensatz stieg gleichzeitig von minus 0,5 Prozent auf 0,0 Prozent, sodass Banken, die überschüssige Beträge bei der EZB parken, keine Negativzinsen zahlen müssen.
Man spricht von einer historischen Aktion, denn die EZB hob erstmals seit 22 Jahren den Leitzins direkt um 0,5 Prozentpunkte an und überraschte damit alle Beteiligten. Weitere Zinserhöhungen sollen lt. EZB-Auskunft in den nächsten Monaten folgen.
In erster Linie nimmt sie großen Einfluss auf den Finanzmarkt. Für Sparer bedeutet sie eine gute Nachricht, denn Einlagezinsen sollten nun wegfallen. Einige Banken kündigten bereits an, das sogenannte Verwahrentgelt zu reduzieren oder den Freibetrag anzuheben.
Einerseits hilft sie aktuell, die momentane Inflation einzudämmen. Andererseits ist sie aber kontraproduktiv hinsichtlich der Aufnahme von Krediten und verhindert geplante Investitionen, z.B. in eine Immobilie. Experten befürchten, dass durch teurere Kredite Bau- und Modernisierungsprojekte zum Erliegen kommen. Andererseits hofft man aber, dass sich die Dynamik der Preisentwicklung verlangsamen wird.
Marktkenner meinen, die Nachfrage nach Wohneigentum sei trotz steigender Zinsen nicht zurückgegangen. Schaut man sich die großen Immobilienportale an, wird dies deutlich. Zumindest das Kaufangebot für Immobilien ist derzeit sehr umfangreich. Ob die potenziellen Käufer allerdings diese Angebote annehmen und in eine neue Immobilie investieren, bleibt abzuwarten.
Anfang August 2022 berichtete der Pfandbriefbankenverband VDP, dass trotz Zinserhöhung die Preise für Einzel- und Mehrfamilienhäuser sowie für Wohnungen steigen. Binnen eines Jahres waren es bei vergleichbaren Einfamilienhäusern eine Wertsteigerung um 12,1 Prozent und bei Wohnungen 9,8 Prozent. In Berlin und München lagen die Zuwachsraten bei 11,9 und 11,5 Prozent, in Frankfurt bei 7,9 Prozent.
Wer sich für eine bestimmte Immobilie interessiert, handelt meist einen guten Preis mit dem Verkäufer aus. Derzeit kann man möglicherweise davon ausgehen, dass Immobilienbesitzer, die ihr Haus oder die Wohnung verkaufen möchten, den Verkauf recht schnell abwickeln möchten. Dadurch befindet sich der Käufer momentan in einer sehr guten Verhandlungsposition. Ob es allerdings ratsam ist, in der derzeitigen Phase in eine Immobilie zu investieren und dafür beispielsweise einen Kredit aufzunehmen, bleibt einzig und allein eine ganz persönliche Entscheidung.
Eine Zinswende kann also unterschiedliche Folgen haben, je nachdem in welche Richtung sie sich entwickelt. Sie beeinflusst nicht nur private Anleger, sondern auch die Struktur der gesamten Finanzwelt. So kann eine scheinbar geringfügige Anhebung um 0,5 Prozentpunkte zur Basis einer kompletten Finanzumgestaltung werden.